RezensionenAlles über die zurückliegenden Konzertreihen
Ausgewählte Berichte über unsere zurückliegenden Konzertreihen stimmen Sie ein, uns einmal bei einem unserer Konzerte zu besuchen.
Presselese 2011
Im Schwäbischen Tagblatt vom 23.05.2011 schreibt Achim Stricker zum Konzert von Mami Hagiwara:
'Meisterin der Nocturne-Stimmungen'
…Drei Variationswerke rahmten das Programm. Mozarts Variationen über ein Menuett von Duport KV 573 tupfte Hagiwara in puderigen Porzellantönen – ein seidiger, zierlicher Klang, durch den Steinway zusätzlich mattiert. Ein federleichter Anschlag, ganz aus der Hand heraus. Insgesamt ein etwas ästhetisierter Mozart, wenig keck, aber sehr erlesen.
Ganz entfaltete sie eine impressionistische Klanglichkeit in Debussys 'Clair de lune', das man so noch nie gehört hat: ein Gutenachtlied in geflüsterten Tönen – silbrig streuende Mondschein-Töne, ein frischer, gläserner Tau auf den Klängen. Debussys 'L'isle joyeuse' perlte ebenso weich, zugleich aber rhythmisch exakt. Hagiwara ist eine Meisterin der Nocturne-Stimmungen: Auch in Schumanns 'Kinderszenen' bezauberte dieser Schwebezustand. 'Träumerei' und 'Kind im Einschlummern' waren ganz in diese gedämpfte Sphäre entrückt.
Neben aller hauchzarten Leichtigkeit konnte Hagiwara aber auch zupacken, sich mit voller Kraft und Wucht in den Klavierklang hineinwerfen. So legte sie eine vollendete Interpretation von Rachmaninoffs Corelli-Variationen vor. Jede Variation ein Meisterstück, mit Seele, Grandezza und Verve musiziert. …
In der Herrenberger Zeitung vom 23.07.2011 schreibt Thomas Morawitzky zum Gesprächskonzert von Sofya Gulyak am Herrenberger Schickhardt-Gymnasium:
'Musikalische Gemälde'
…Im Musiksaal des Schickhardt-Gymnasiums entstanden unter den Fingern von Sofya Gulyak, die 2009 den ersten Preis bei der 16. International Leeds Piano Competition errang, als erste Frau überhaupt, musikalische Gemälde von großer Vehemenz und großem Reichtum – Stücke von Sergej Rachmaninoff, César Franck, Gabriel Fauré und Maurice Ravel – 'La Valse' von Letzterem ein grandioser und temperamentvoller Abschluss, der das kleine und meist junge Publikum in Herrenberg einigermaßen staunend zurückließ.
In Herrenberg lernten die Schüler eine auskunftsfreudige Künstlerin kennen. Sie erzählte davon, wie ihre Großmutter sie zur Klaviermusik brachte – von ihrer Übungspraxis, von ihrer Karriere und von ihren musikalischen Vorlieben. Zu denen gehören zur Zeit Brahms, Rachmaninoff und Beethoven.
Zum Gewinn des International Leeds Piano Competition sagt Sofya Gulyak: 'Mir hat das viele Möglichkeiten eröffnet, Musik zu spielen, auf der ganzen Welt.' Und Musik, darüber muss sie nicht lange nachdenken, war von Anfang an die Karte, auf die Sofya Gulyak alles setzte. …
Im Schwäbischen Tagblatt vom 19.09.2011 schreibt Achim Stricker zum Konzert von Denis Kozhukhin:
'Zug ins Finale'
…Selten hat sich ein Pianist einer Haydn-Sonate mit so viel gestalterischer Akribie angenommen. Die Es-Dur-Sonate Hob. XVI:49 (1789) – immer wieder gern als ,,Aufwärmstück' heruntergespielt – wurde bei Kozhukhin zu einer interessant reflektierten Analyse der Wiener Klassik. So ließ er bei Gründervater Haydn bereits die genialisch-ungestüme Wucht eines Beethoven ausbrechen. Im Adagio, einem der schönsten Sätze des Abends, deutete er mit getupften Glasharmonika-Tönen Mozart und Schubert an. Dabei waren immer auch die nuancierten Klangfarben und der volle, gerundete Ton der russischen Schule herauszuhören.
Brahms' Erste Sonate Qp. 1 bekam so die symphonischen Dimensionen eines Klavierkonzerts. Kozhukhin ist ein epischer Pianist, ein Pianist fürs Finale, mit dem großen Zug auf ein triumphales Ende hin. So begeisterten hier die ausgelassen dahinstürmenden Ecksätze, mit kernig-präziser linker Hand. Stimmungsvoll war das Andante: versonnenes Rubato, die Phrasen vollendet pedalisiert, die Begleitfiguren wunderbar leise. …
Zum Seitenanfang
Presselese 2009/2010
Im Schwäbischen Tagblatt vom 22.06.2009 schreibt Achim Stricker zum Konzert von Evgheny Brakhman:
'Löwe an den Tasten'
… Ideal passten Brakhmans schimmernd verschwimmende Klänge zu Debussys 'L'isle joyeuse' und der Verzierungs-Etüde 'Pour les arpèges composés' - flirrende Sonnenstrahlen und vages Schneetreiben. Seiner dramatischen Seite kamen Brahms' Fantasien op. 116 entgegen: stolz, erhaben, dazwischen magisch leise Momente. Extreme Register in Aviya Kopelmans 'Everything is Foreseen and Free Will is Given': Über dröhnenden Basstremoli zitterte im höchsten Diskant ein Ton auf der Stelle - wie Glas, vom Erdbeben erschüttert.
Brakhmans Gipfelstürmer-Temperament entlud sich zuletzt mit tragischem Ernst und viel Armgewicht in Rachmaninovs Zweiter Sonate. Betörend rieselten Sternenklänge nieder, stürzten fatalistisch in einen aufgewühlten KIangstrudel, türmten sich wieder zu berstenden KIangkaskaden auf. …
Im Schwäbischen Tagblatt vom 20.07.2009 schreibt Tim Hagemann zum Konzert von Andreas Hering:
'Ein Meister der Kontraste'
… Andreas Hering scheint ein geradezu erotisches Verhältnis mit seinem Instrument zu verbinden. Seine seelisch durchdachte Deutung nahm vom ersten Takt an gefangen, überzeugte durchwegs ... Der junge Pianist zeigte … sich nach der Pause auch in Alexander Skrjabins 10. Sonate op. 70 als ein Meister der Kontraste. Andreas Hering fand nicht nur zu einem gleichsam entmaterialisierten Skrjabin-Ton, es war ein Augenblick großer Delikatesse, als nach den strahlenden Fortississimo-Akkordreihen das Allegro-Motiv in äußerster Zartheit zurückkehrte.
Einen kraftvollen Abschluss des offiziellen Programms bildeten die 'Trois Mouvements de Pétrouchka' von Igor Strawinsky, die dem Pianisten die gern und souverän genutzte Gelegenheit zu virtuoser Prachtentfaltung gaben. …
Im Schwäbischen Tagblatt vom 21.06.2010 schreibt Madeleine Wegner zum Konzert von Jordi Bittloch:
'Funkelnder Farbenregen'
… Wie aus einer inneren Versunkenheit heraus in die Breite strömend, verlieh Jordi Bittloch der Bach-Toccata fis-moll (BWV 91O) einen kontemplativen, bewegenden Charakter.
… Schwebend und licht, wie das Farbspiel in Sonnenschein und Schatten, flimmerten Debussys 'Images I' unter Bittlochs Händen und atmeten einen Zauber.
Einleitend zu zwei der ,,20 Regards sur I'Enfant-Jésus' von Olivier Messiaen spielte der Pianist das Thema Gottes und der Freude vor, das sich sowohl in der 'Première communion de la Vierge' als auch im 'Regard de I'Esprit de Joie' findet. Die erste Betrachtung sei 'ein ziemlich extatisches Stück', das zweite 'als Gegensatz dazu gedacht'. erklärte er den nur·rund 70 Zuhörern. Behutsam sich steigernd bis impulsiv und ruhelos pulsierend folgten schließlich die beiden Betrachtungen.
Den so unterschiedlichen Werken des Konzertprogramms war eines gemeinsam: eine einfühlsame und fast magische Interpretation Bittlochs, …
Im Schwäbischen Tagblatt vom 26.07.2010 schreibt Tim Hagemann zum Konzert von Michail Lifits:
'Alle Zeit der Welt'
… In der h-Moll Sonate op. 58 zeigte sich Lifits, nun mit einem sonoren Klang, als wäre es ein anderes Instrument, auf der Höhe der Chopin-Kunst: Ein mächtiges Allegro maestoso, das Raum ließ für die Gesanglichkeit des zweiten Themas, das kurze Scherzo brillant, mit aller Zeit der Welt das Largo zu einer Meditation über·ein Nocturne formend, mit so virtuos zupackender Verve das Finale, dass das zahlreiche Publikum Lifits kaum in die Pause entlassen mochte.
… Den schwergewichtigen Abschluß bildete Beethovens c-Moll-Sonate op. 111. Erfährt in op. 2 Nr. 1 das thematische Material noch eine fortwährende Erweiterung, so wird später die Verkürzung zu einem Beethovenschen Formprinzip, und im Variationensatz von op. 11 ist vor allem der Rhythmus Träger der Reduktion. In der so·immer bewegteren Variationenfolge zeigte sich Lifits als feinsinniger Gestalter des komplexen Materials, und zu Momenten geradezu atemloser Schönheit gerieten die Trillerketten. …
Im Schwäbischen Tagblatt vom 21.09.2010 schreibt Achim Stricker zum Konzert von Guillaume Vincent:
'Kostbar vergänglich'
… Vincent ist ein Stimmungspianist, fast mehr ein selbstvergessenes Medium als ein willentlich eingreifender Gestalter. Vielmehr scheint er Klänge geschehen, vorüberziehen zu lassen. Das gibt seinem Musizieren eine schwerelose Melancholie und Vergänglichkeit.
… Bis auf die Tonart b-moll haben Chopins Trauermarsch-Sonate op. 35 und Rachmaninovs zweite Sonate op. 36 kaum etwas gemeinsam: Chopin spröd, scheu, gehetzt, gebrochen, Rachmaninov titanisch auftrumpfend, gewaltig überbordend, melodienselig. Wenige Pianisten dürften diese Extreme so selbstverständlich in sich vereinen wie Vincent. Hier scheint auch das ausgreifende Fortissimo aus einem filigranen Inneren zu kommen. Selbst die lautesten Ausbrüche mit donnernden Oktaven in beiden Händen schleuderte Vincent nicht konfrontativ ins Publikum, sondern senkte sie geradezu in den Steinway hinein,
in eine metallisch schwere, bleiern samtige Tiefe. … Zwei Préludes von Rachmaninov (op. 32/5 und 32/10) waren ganz aus dem Rubato empfunden, der Rhythmus stark verunklart, aufgelöst und entstofflicht, eine ortlos schwebende Tristesse und Verlorenheit.
Gerade durch dieses fast Fantasierend-Improvisatorische gelang Vincent auch das seltene Kunststück, einen großen dramaturgischen Bogen durch Liszts h-moll-Sonate zu schlagen. Er schuf einen einzigen, Bewusstseinsstrom, deutete voraus, erinnerte zurück. Eine ständige Metamorphose: kernig pochendes Staccato, rauschend zerstäubte Nebel, singendes Dolcissimo, anschwellende Hymnen. Allein der pure Klang war unglaublich schön.
Zum Seitenanfang